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Ausbau des Motors

Unsere Nimbus gehört zu den übersichtlichsten Motorrädern im damaligen Motorradbau. Daher ist es auch für ungeübte Schraubern keine große Herausforderung den Motor aus dem Rahmen zu entnehmen.

Technische Hilfsmittel:

Grundsätzlich läßt sich der Motor der Nimbus mit den in der Werkzeugrolle vorhandenen Werkzeugen ausbauen. Die Arbeit erleichtet natürlich der Einsatz eines Knarren-/Ratschenkastens.

Ein paar Schachteln/Tüten/Gläser (Tupperware als Schraubendose ist definitiv zu teuer) für die abgeschraubten Teile sollten bereitstehen. Muttern und Schrauben sollten, wenn möglich, wieder verbunden werden um Verwechslungen mit anderen Gewindesteigungen zu vermeiden. Manch ein Restaurator hat eine nicht ganz originale Schraube (z.B. Innensechskant) beim Wiederaufbau benutzt. Hierauf kann in dieser Anleitung keine Rücksicht genommen werden. Ich benutze zuweilen die Plannummern und Bezeichnungen aus unseren Ersatzteilliste. Sie in der Nähe zu haben um eine Blick darauf zu werfen schadet nichts zumal man auch gleich auf einem Zettel daneben die erneuerungswürdigen Verschleißteile vermerken kann.

Als Hebehilfe sind je nach Voraussetzung drei Varianten möglich:

  1. Muskelkraft
    Bei der Muskelkraftvariante ist der Ausbau des Hinterades notwendig. Die Nimbus wird von zwei Personen jeweils mit einer Hand am Lenker gegriffen. Mit der jeweils zweiten Hand wird der Rahmen an den hinteren Fußrasten angehoben und auf dem Vorderrad rollend, über den Motor gehoben.

  2. Motorradheber
    Die Motorradhebervariante ist nur sinnvoll wenn die Möglichkeit besteht die Nimbus aufzuhängen. Hier kann der Motor dann nach unten abgelassen werden. Der Ausbau des Hinterrades ist nicht notwendig.

  3. Flaschenzug oder Winde
    Diese Möglichkeit ist die Einfachste und kann problemlos ohne fremde Hilfe durchgeführt werden. Der Ausbau des Hinterrades ist auch hier nicht notwendig. Die Waage hält die Nimbus bei eingebautem Hinterrad und augebautem Motor bei einer Befestigung kurz hinter dem Tank.

Rahmenhebebügel Hinweis:

Hilfreich sind zwei aus 4 mm Stahldraht gebogene Bügel beim Anheben des Rahmens mit Motorheber, Winde oder Flaschenzuges. Die Bügel werden rechts und links der Rahmenverstärkung hinter dem Tank positioniert und greifen unter den Rahmen. Beim Biegen des Stahldrahtes sollte der jeweils hintere Schenkel etwas länger ausfallen um eine waagerechte Verschiebemöglichkeit des Hebeseiles/-kette zu ermöglichen.

Arbeitsschritte

Eine feste Reihenfolge der Arbeitsschritte ist nicht notwendig. Die Punkte 1 - 6 können in eigener Reihenfolge abgearbeitet werden.

  1. Motoröl ablassen:
    Natürlich kommt frisches und neues Öl nach der Motorrevision in den Motor also das Alte erstmal ablassen. Da der Motor im Anschluss sicherlich weiter auseinandergenommen wird bedarf es des vorherigen Warmfahrens wie zu einem Ölwechsel natürlich nicht. Oder möchtet ihr euch beim nächsten Arbeitsschritt schon die Finger verbrennen? Eine kleine, einen Zentimeter hohe Unterlage unter das rechte Hauptständerbein läßt das Öl gut Richtung Ölablassöffnung laufen. Wenn die Finger schon einmal ölig sind kann man auch gleich das Öldunstrohr zwischen Vergaser und Motorblock entnehmen.

  2. Auspuff, Auspuffblende und Sammler:
    schrauben wir ab und vermerken auch gleich ob wir neue Auspuffdichtungen und Muttern für die Bolzen benötigen. Die vorhanden Bolzen und Lagerblöcke haben häufig schon die besten Zeiten hinter sich und die Flanken sind teilweise eingerissen. Auch diese sollten gleich in Augenschein genommen werden.

  3. Elektrische Anlage:
    Es bedarf zwar nicht unbedingt des Batterieausbaus wer aber nachher keinen Flaschenzug zu Hilfe nehmen kann um den Rahmen über den Motor zu heben muss den Rahmen nachher kippen und hierdurch kann Schwefelsäure auslaufen. Bei NIMBUSSEN älterer Bauart die einen Sicherungsträger auf dem Getriebe haben ist auch das Massekabel von der Batterie zu trennen.

  4. Zündungspule und Lichtmaschine:
    Als Nächstes werden die zwei Kabel (D und F) auf der rechten Lichtmaschinenseite entfernt. Hierzu nehmen wir nur die Kabel ab und schrauben alles Andere wieder lose zusammen. Auch das grüne Kabel unter der Zündspule wird nun abgenommen, die Zündkabel aus der Zündspule gezogen und anschliessend der Bügel und dann das Zündspulegehäuse entnommen. Der Kohlestift samt Feder in der Mitte auf der Innenseite der Zündspule wird gegen Verlust gesichert. Einfach Gehäuse mit Kohlestift und Feder in eine Tüte und nichts kommt weg. Im Allgemeinen ist an dem Kohlestift kaum Vergang. Die meisten müssen wegen Verlust beim Abnehmen der Zündspule ersetzt werden. Wer mag kann nun noch die Zündkabel samt ihrer Bügel vom Nockenwellengehäuse entfernen was aber für den Ausbau nicht relevant ist.

  5. Vergaser und Tank:
    Es bietet sich an den Tank abzubauen. Dies ist zwar für den Motorausbau nicht zwingend notwendig erleichtert aber das Entfernen der Schellen um den Kabelbaum, welcher ggf. auf dem Nockenwellengehäuse verschraubt ist. Meist lohnt sich auch den Benzinhahn samt Filter einer Begutachtung zu unterziehen. Wer den Tank nicht ausbauen möchte trennt nur den Benzinschlauch vom Vergaser. Der Luftfilter wird entfernt und in ein benzinfestes Behältnis gelegt. Es bietet sich an die Durchflußmenge durch den Benzinhahn zu prüfen. Das Gefäß mit dem dem Luftfilter unter den Benzinschlauch gehalten und den Benzinhahn kurzzeitig auf seinen Durchfluß in Auf- und Reserve-Position testen. Wer neben dem Motor auch den Vergaser zerlegen möchte löst jetzt den Sechskant des Gehäusebodens der Schwimmerkammer und die Sechskant-Hohlschraube an der tiefsten Stelle des Vergasers. Der Gummihut wird nun abgezogen und der Federmond in der Nut oberhalb des Schieberdeckels mittels Schraubendreher oder Spitzzange herausgenommen. Nun kann der Kolben aus dem Vergaser herausgezogen und zum Schutz in einen Lappen eingewickelt werden. Die zwei Schlitzschrauben, welche den Vergaser am Ansaugkrümmer halten noch abschrauben und das gut Stück zur Seite legen. Sind die Flanschdichtungen noch ok? Einen Vergaser welcher Nebenluft zieht kann man nie vernünftig einstellen.

  6. Bremse und Schaltung:
    Je nach Schaltung sind unterschiedliche Arbeiten notwendig. Der Handschaltende entfernt den Umlenkhebel der Handschaltung. Der Fußschaltenden die Schraube an der Verschiebestange. Der Kupplungsausrückhebel wird beim alten Getriebe durch Enfernung des Umlenkhebels freigesetzt. Mittels Ratschenbändern oder Kabelschlaufe in der Position einer gezogenen Kupplung fixiert man den Ausrückhebel des neune Getriebes. Die Öse vom Bowdenzug der Kupplung am Auslösearm abnehmen. Den komplette Zug nun nach vorn entfernen. Als nächstes wird die linke Fahrerfußraste samt angebauter Teile am Stück abgenommen. Auf der rechten Seite lösen wir nun die Feder des Bremslichtschalters vom Bremshebel und schrauben die Einstellschraube ab. Die Bremsstange wird auch hinten gelöst und entfernt. Den Splint machen wir beim Zusammenbau bestimmt neu, oder? Auch die bremsseitige Fußraste muß nun abgeschraubt werden.

  7. Rahmen mit Hilfsmitteln ohne Hinterradausbau:
    Nun unterfüttern wir den Motor. Hierzu nutzen wir einen Motorradheber, Möbelhund oder entsprechende Bretter oder Kanthölzer um die Werkzeugdose und den Hauptständer demontieren zu können. Wenn die Trennung von Motor und Rahmen mittels Winde oder Flaschenzug geschehen soll wird jetzt ein Seil/Spanngurt am Lenkerrohr unter dem Lenker und je eines an beiden oberen Rahmenstreben hinter der Rahmenplatte mit Batteriekonsole angebracht und mit dem Windenhaken verbunden.
    Bei Motorradhebernutzung kann die Nimbus nun angehoben und mit der Aufhängung an den möglichst gleichen Punkten wie vorstehend verbunden werden.
    Jetzt werden die vier Motorhalteschrauben entfernt und je nach Hebehilfe der Rahmen vorsichtig angehoben oder der Motor abgesenkt. Der Rahmen/Motor muss hierbei ca. 5 cm verschoben werden um die Kardanwelle freizugeben. Bitte dabei auf die Feder (3B/8388) im Stumpf des Getriebeausganges achten.

  8. Rahmen ohne Hilfsmittel mit Hinterradausbau:
    Bevor wir das Hinterrad entfernen suchen wir uns eine ca. 30 cm lange und ca. 8 - 12 mm dicke Eisenstange. Die Stange mit Knebel aus dem Knarrenkasten ist optimal. Nun entfernen wir die drei Verbindungsschrauben vom Hinterrad, eine an der Bremsplatte und zwei am Kardangehäuse. Auch die Hutmuttern der Hinterachse können schon leicht gelöst werden. Spätestens jetzt sollten wir an einem weiteren Paar Händen (dürfen auch gern weibliche sein) rufen.
    Während wir den Kotflügel leicht anheben und das Hinterrad gerade bis zum Ende der Aufnahme ziehen drückt die zweite Person die Kardanwelle nach vorn bis sie aus der Aufnahme am Hinterrad herausrutscht. Nun können wir sie aus de Getriebe ziehen. Dabei passen wir auf dass wir die Feder (3B/8388) am vorderen Kardanende nicht verlieren. Nun kann das hintere Schutzblech ganz angehoben werden und das Hinterrad herausgerollt werden. In die Aufnahmeschlitze der Hinterachse stecken wir nun die Eisenstange und stellen den hinteren Kotflügel wieder darauf ab.
    Zu guter Letzt können nun die vier Motorhalteschrauben entfernt werden. Jetzt kann der Rahmen mit Hilfe einer zweiten Person über den Motor gehoben werden. Hierzu die Lenkerbremse festziehen und jeweils mit einer Hand den Lenkergriff und mit der anderen die hintere Fußraste fassen. Das hintere Teil des Rahmens kann so angehoben werden und der Rahmen auf dem Vorderrad rollend nach vorn weggeschoben werden.

Hinweis: Leider sind die Bolzen für die Aufhängung der Hauptständerfedern werksseitig etwas zu lang um den Motor problemlos aus dem Rahmen zu bekommen. Die Bolzen hängen daher beim Ausbau des Motors leicht an der Verbindung zwischen Ölwanne und Motorblock.

hauptseite/technik/baugruppen/motor/ausbau.txt · Zuletzt geändert: 20.05.2016 14:55 von Wolfgang Hense

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