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Zündspule

Entwicklung

Die Zündspule der Nimbus ist eine Eigenkonstruktion von Fisker & Nilsen und wurde aus braunem Nokait/Bakelit hergestellt. Im Laufe der Jahre gab es kleine Konstruktionsunterschiede in Gehäuseform und Kontaktwinkeln.Diese Merkmale haben jedoch keinerlei Einfluss auf die Durchtauschbarkeit vom ersten bis zum letzten produzierten Motorrad.

Zündspulen

Zündspule 1301 - 2050

Der Deckel und das darunter liegende Gehäuseteil hatten den gleiche Durchmesser. Auf dem unteren Gehäuserand waren die Buchstaben erhaben ausgeführten „S“ (sent / spät) und „T“ (tidligt / früh) sowie eine ebenfalls erhabene Skala als Einstellmarkierung für die Zündung aufgebracht. Der Anschluss für die Stromzuführung (grünes Kabel) war als Winkel mit M4-Gewinde ausgearbeitet.

Zündspule 2051 - 11300

Gegenüber dem Vorgängermodell hatte diese Zündspule eine Wulst am Deckelrand welche über die Oberkante des Gehäuserandes griff.

Zündspule 11301 - 14015

Die in 1952 geänderte Gehäuseform hatte nun weicher auslaufende Flächen. Viele Kanten waren abgerundet. Der Anschlusswinkel für die Stromversorgung entfiel zugunsten einer einfachen M4-Gewindebohrung ebenso wie die Skala auf dem unteren Gehäuserand.

Zündspulen Foto: Carl Arne Foged

Aufbau/Arbeitsweise

Die Zündspule besteht aus einer Primär- und einer Sekundärspule. Die Versorgung der Zündspule mit der Arbeitsspannung von mind. 6 Volt erfolgt über das grüne Kabel welches über das Zündschloss geschaltet und mittig unterhalb der Zündspule angeschlossenen wird. Von dort fließt der Strom innerhalb der Zündspule durch die Primärwicklung und verlässt diese dann durch den dicken, in den Verteiler reichenden Stift zum beweglichen Teil des Unterbrecherkontaktes um hier gegen Masse geschaltet zu werden. Durch das ständige Ein / Aus-Schalten des Unterbrecherkontaktes und der zusätzlichen Stromspeisung durch den Kondensator wird die Sekundärwicklung der Zündspule animiert einen entsprechenden Zündstrom zu produzieren. Die Sekundärspule gibt dann ihre Spannung im Bereich von ca. 12.000 Volt über den Kohlestift mit Feder in der Mitte der Zündspule an den Verteilerläufer (Verteilerfinger) ab. Von dort wird diese Spannung kontaktlos in der Zündreihenfolge 1 - 3 - 4 - 2 auf die entsprechenden Ausgänge und weiter über die Zündkabel zu den Zündkerzen verteilt.

Reparatur / Instandhaltung

Demontage

Um innerhalb der Verteilerdose Einstellarbeiten vorzunehmen muss die Zündspule abgezogen werden. Vereinzelt komt es vor das sich diese nicht von der Dose trennen will. Hier darf keinesfalls mit was auch immer zwischen Spulengehäuse und Dose gehebelt werden da das meist ältere Bakelit schnell wegbricht. Besser ist es die Verteilerdose samt Zündspule aus dem Nockenwellengehäuse zu entnehmen. Nun kann man den äußeren Dosenrand so auf einem Schraubstock auflegen das die Zündspule zwischen den Backen hängt. Mittels Schraubendreher entferne man durch die nun obenliegende Nockenwellenöffnung die Kohle in der Mitte der Zündspule. Anschließend kann mit einem entsprechenden Rundmaterial aus Holz, Kunststoff oder auch Metall soviel Druck, bitte nicht mit einem Hammer klopfen, auf die innere Mitte der Zündspule aufgebracht werden dass diese langsam nach unten herausrutscht.

Gehäuseschäden

Die Zündspule der Nimbus ist ein Sensibelchen. Ihr Gehäuse aus Bakelit / Melamin verzeiht keinen groben Umgang. Abgebrochene Gehäuseteile lassen sich jedoch mit Epoxid-Harz oder „Kaltmetall“, ebenfalls einer auf Epoxid-Basis hergestellten knetbaren 2-Komponentenmasse, die nach dem Aushärten gut mechanisch bearbeitet werden kann, ausbessern. Wichtig bei beiden Materialien ist, dass die Flächen an denen das Material angefüllt werden soll gut sauber sind. Beschädigtes Bakelit ist oberflächenrau und hierdurch hält sich an diesen Stellen Schmutz und Öl gut. Hier ist Anschleifen bis auf das saubere, helle Material zwingend notwendig. Andernfalls bricht das aufgefüllte Stück beim Bearbeiten gleich wieder ab. 2K-Epoxid-Harz kann im flüssigen Zustand mit entsprechenden Farbpigmenten eingefärbt werden während sich Kaltmetall nach dem Aushärten und Bearbeiten gut mit Schuhcreme nachfärben lässt. Ein wienern des kompletten Gehäuses schützt gleichzeitig dessen Oberfläche und macht sie wasserabweisend.

Spulenschäden

Ein nicht zu unterschätzende Schadensursache bei der Zündspule ist die längere Versorgung der Zündspule mit Strom bei eingeschalteter Zündung und stehendem Motor. Die Nimbus-Zündspule verträgt keine hohe Wärmeentwicklung. Im normalen Fahrbetrieb entsteht diese auch nicht. Lediglich bei stehendem Motor und gleichzeitig geschlossenem Unterbrecherkontakt gibt es dann Probleme. In dieser Stellung des Unterbrecherkontaktes ist der Stromkreis geschlossen. Der Stromkreis führt von der Batterie über das Zündschloss hinunter zum Anschluss unterhalb der Zündspule. Von dort zur Primärspule, weiter über den dicken Messingstift zum Unterbrecherkontakt. Und von dort gegen Masse. Während der Strom durch die Primärspule (273 Wicklungen) fließt baut sich ein Magnetfeld auf welches dazu führt das in der Sekundärspule (22.000 Wicklungen eines 0,07 mm dünnen Drahtes) ebenfalls eine Spannung erzeugt wird. Durch die wesentlich größer Anzahl an Wicklungen erhöht sich die Spannung hier um das zweitausendfache. Unsere Zündspule liefert also eine Spannung von etwa 12.000 Volt. Im ungünstigen Falle wird hier also nun Spannung produziert die von Seiten der Zündkerzen nicht verarbeitet werden kann. Hier kann sich nun jeder vorstellen das dieser dünne Draht dieser Belastung nicht lange standhält zumal bei dieser Art der Spannungserhöhung auch immer Wärme entsteht.

Tipp:

Es empfiehlt sich zur Kontrolle und um eine unbewusste Schädigung der Zündspule zu vermeiden, einmal mit einer Prüflampe zu testen ob bei Zündschlossstellung „1“ nur Licht (Mittelposition – Zündschlüssel lässt sich abziehen) Strom zur Zündspule fließt. Hierzu einfach bei entsprechender Schlüsselstellung am Kontaktwinkel unter der Zündspule gegen Masse messen. Wenn alles richtig verkabelt ist werden weder die Feldspulen der Lichtmaschine noch die Zündspule mit Strom versorgt.

Kontaktverschleiß

Stellen an denen es ständig zu Funkenabrissen kommt, sind der vordere Teil des Verteilerfingers und die vier Messingwinkel, welche mit den Buchsen zur Aufnahme der Zündkabel in der Zündspule verbunden sind. An diesen Winkeln entstehen durch das Überspringen der Funken verbrannte Stellen welche gelegentlich gereinigt werden sollten. Hier wird durch die Verbrennung und das Reinigen Material abgetragen sodass der mittlere Bereich der hochstehenden Winkelfläche immer dünner wird. Kommen nun noch Kontaktprobleme durch verbogene oder korrodierte Klemmhülsen für die Zündkabel hinzu sollte man tätig werden. Es ist möglich das vorhandene Gehäuse unter Wiederverwendung der eigenen Spulen zu ersetzen aber diese Investition ist eigentlich nicht notwendig. Eine wesentlich einfachere und günstigere Variante ist das Ersetzen von Buchsen und Winkeln „nicht ganz original“. Der Unterschied besteht jedoch lediglich darin dass die neuen Winkel nicht mit den Buchsen vernietet sondern verschraubt werden. Das Nieten an den alten Gehäusen empfiehlt sich wegen der altersbedingten Bruchgefahr heute nicht mehr.
Je nach baujahrbedingter Ausführung der Zündspule wurden Messingwinkel in zwei unterschiedlichen Längen verbaut. Die älteren Winkel sind 15,5 mm, die neueren 18 mm lang. Die Hülsen für die Zündkabel sind identisch. (Bild folgt)Auf dem Foto sind alte Winkel und neu gebogene, noch nicht Endbearbeitete, zu erkennen. Rechts liegen die alten Hülsen mit Stift zum Vernieten. Die neuen Hülsen in der Bildmitte werden mittels M3 Senkkopfschrauben mit den neuen Winkeln, in welche ein entsprechendes Gewinde geschnitten wurde, verschraubt. Sicherheitshalber sollte nach der Restauration noch der richtige Radius von 21 mm überprüft werden.

hauptseite/technik/baugruppen/elektrik/zuendspule.txt · Zuletzt geändert: 24.07.2020 10:14 von Wolfgang Hense

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